Übersicht Extrem Rechte
Mirjam Ratmann (2021): Recht weiblich
*online-Artikel bei fluter*: Die Positionen, die Frauen innerhalb der rechten Szene einnehmen, sind vielfältig. Das war nicht immer so: Während sie früher hauptsächlich in der Rolle als “Mutter und Hausfrau” Legitimation erfuhren, treten sie heute auch als politische Aktivistinnen auf. Sie sind fest in die Szene integriert, formieren sich in Frauenorganisationen wie dem „Ring Nationaler Frauen“ oder der „Gemeinschaft deutscher Frauen“. Geschätzt zehn Prozent der Gewalttaten im rechten Spektrum gehen von Frauen aus.
Auch rechtsextreme Frauen seien fasziniert von Gewalt – ob sie sie nun selbst ausüben oder nur zuschauen, sagt Sozialpädagogin Petra Franetzki, die seit vielen Jahren auch Frauen berät, die aus der Szene aussteigen wollen. So gab es in der Vergangenheit schon mehrfach Frauen in den Reihen militanter Neonazi-Gruppen, wie zum Beispiel bei der „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Bei der „Kameradschaft Süd“, die einen Sprengstoffanschlag auf ein jüdisches Zentrum in München geplant hatte, wurden gegen drei beteiligte junge Frauen Bewährungsstrafen verhängt. Das Gericht stellte fest, dass sie nur Mitläuferinnen gewesen seien. Esther Lehnert glaubt hingegen, dass hinter solchen Urteilen sexistische Motive stecken: „Frauen werden oft als sexuelles Anhängsel des Mannes abgetan. Dabei machen sie bei solchen Aktionen gerne und freiwillig mit.“
Renate Bitzan (2016): Geschlechterkonstruktionen und Geschlechterverhältnisse in der extremen Rechten, in: Handbuch Rechtsextremismus
Geschlechterkonstruktionen und Geschlechterverhältnisse in der extremen Rechten der Gegenwart sind unter mehreren Gesichtspunkten relevant. So nehmen Vorstellungen zum ›Wesen‹ der Geschlechter, zu geschlechtsspezifischen Rollen und zum Geschlechterverhältnis, aber auch zu Sexualität und Familie in der Ideologie einen zentralen Raum ein, nicht zuletzt, weil sie eng mit ideologischen Kernthemen wie »Rasse« und »Volksgemeinschaft« verbunden sind. Gerade diese vermeintliche ideologische Eindeutigkeit hat lange eine eingehende kritische Beschäftigung mit den realen Geschlechterkonstruktionen und -verhältnissen blockiert.
Lola für Demokratie e. V. (2015): Frauen und Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern
Der Verein Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern hat die neue Broschüre „Frauen und Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern“ veröffentlicht. Erarbeitet wurde die Handreichung im Auftrag des Landesfrauenrates Mecklenburg-Vorpommern und in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung. Die Veröffentlichung macht Frauen als Akteurinnen der rechtsextremen Szene sichtbar und bietet Informationen und Handlungsempfehlungen zum Thema.
Die Broschüre kann online unter diesem Link abgerufen werden.
Zentrum Demokratische Bildung (2015): weiblich. selbstbewusst. rechts. Frauen im Rechtsextremismus
Rechtsextreme sind jung, männlich und gewaltbereit – so lautet das gängige Urteil. Doch laut wissenschaftlichen Studien steigt der Anteil der Frauen in der rechtsextremen Szene seit Jahren kontinuierlich an, inzwischen wird er auf ca. 20 Prozent geschätzt.
Dabei sind sie nicht mehr nur Partner_innen und Mütter, sondern auf allen politischen Ebenen aktiv.
Das vom „Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung” initiierte und auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegte Projekt „Frauen im Rechtsextremismus” des Zentrum Demokratische Bildung (ZDB) möchte diese veränderten Rollen mit gezielter Aufklärungsarbeit transparent machen und der Verbreitung von Rechtsextremismus unter Frauen entgegen wirken.
Michaela Köttig (2008): „Nicht nur Mitläuferinnen“. Mädchen und junge Frauen in der rechtsextrem orientierten Szene
Rechtsextremismus und Rassismus werden noch immer sehr oft als hauptsächlich männliches Problem angesehen, obwohl Frauen und Mädchen längst keine bloßen Mitläuferinnen in der rechtsextremen Szene sind, auch wenn sie nicht so häufig bei Straf- und Gewalttaten in Erscheinung treten. In dieser Broschüre wird gezeigt, an welchen Stellen Mädchen und Frauen in der rechtsextremen Szene zu finden sind und welche Funktion sie dort haben.
Die Broschüre behandelt Themen wie Prävention und Intervention und nennt hier auch die Schwierigkeiten und Grenzen solcher Maßnahmen. Weitere Literaturhinweise runden die Broschüre ab.
Landesfrauenrat Sachsen e.V. (2007): Keine Unschuld vom Lande – Rechte Mädchen und junge Frauen in ländlichen Regionen Sachsens
Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus sind nicht nur ein männliches Phänomen, sondern werden auch von Mädchen und Frauen getragen und befürwortet.
Der Landesfrauenrat Sachsen e.V., die LAG Mädchen und junge Frauen in Sachsen e.V. und die Sächsische Landjugend e.V. haben sich dieser Thematik gestellt und gemeinsam eine geschlechts- bezogene Ursachenforschung in ländlichen Räumen Sachsens sowie Workshops, Lesungen, Fachtagungen und ein Videocamp mit Mädchen umgesetzt.
Broschüre als PDF hier zum Download
Auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit diesem Thema weisen u. a. die im Oktober 2006 veröffentlichten Studien der Friedrich – Ebert – Stiftung und der Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld hin, welche den hohen Anteil von Mädchen und Frauen an ausländerfeindlichen und rassistischen und damit rechtsextremen Einstellungen belegen.
Dennoch sind Erkenntnisse zu Ursachen und Einbindung von Mädchen und jungen Frauen in rechten Strukturen und Aktivitäten eher Mangelware. Es scheint, als gelten Mädchen und Frauen langläufig als unpolitisch und friedfertig. Ihnen wird die Identifizierung mit rechtem Ideengut nicht zugetraut oder sie werden oftmals nur als Mitläuferinnen gesehen. Die zentrale Herausforderung für einen geschlechtsbewussten Umgang mit Rechtsextremismus liegt darin, die politischen Einstellungen und Aktivitäten von rechten Mädchen nicht zu übersehen und zu unterschätzen, sondern sie auch als Akteurinnen zu erkennen.