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Grundlagen

Wie sieht MINTA Arbeit in der Praxis aus?

Manchmal berichten Fachkräfte aus ihrer Einrichtung: „In unserer Einrichtung gibt es keine Transgender oder intergeschlechtlichen oder nicht-binären Kinder.“

Das ist ein Anlass zu reflektieren, warum das so ist. Es gibt meist strukturelle Gründe, warum TINA Kinder und Jugendliche die Einrichtung entweder nicht besuchen oder unsichtbar bleiben möchten (was auch völlig okay ist, es geht nicht, darum dass queere Menschen sich outen sollen) weil sie sich zum Beispiel nicht sicher oder wohl fühlen in der Einrichtung oder sie nicht wissen, ob sie beispielsweise als Trans Junge, Trans Mädchen oder nicht -binäre Person willkommen sind in der Einrichtung.

Strukturen können und müssen verändert und neu gestaltet werden, den gesetzlichen Auftrag gibt es seit Juni 2021, mit dem Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (KJSG) im SGB VIII, §9

Bei der Erfüllung ihres gesetzlichen Auftrages haben öffentliche und freie Jugendhilfe nunmehr „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen, Jungen sowie transidenten, nichtbinären und intergeschlechtlichen jungen Menschen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern“.

Unter welchen Bedingungen kann die Erfüllung des gesetzlichen Auftrages gelingen?

Reflexion folgender Ebenen:

Fachkraft

Fachkräfte sollten ihren Wissensstand, eigene Rolle und Haltung in Bezug auf queere Lebenswelt reflektieren

Was brauche ich als Fachkraft vom Team und dem Träger und wo sind meine persönlichen Grenzen?

Insbesondere als queere Fachkraft kann es entlastend sein, sich die eigenen Grenzen bewusst zu
machen, und Verantwortung an das Team und den Träger abzugeben

Team

Austausch über Haltung, Rollen und den Wissensstand im Team- welche Ressourcen gibt es und wo braucht es Unterstützung und Informationen

Es sollte nicht davon ausgegangen werden, dass queere Kolleg*innen das Team fortbilden, das kann belastend sein und ist nicht ihre Verantwortung, es gibt viele hilfreiche Alternativen, wie Fortbildungen und Online Ressourcen wie z.B. das queer-lexikon.net, welches bei Begriffsklärung hilfreich ist

Fortbildungsbedarf im Team klären, Sammeln von Erstinformationsquellen, wo sich Fachkräfte z.B. zu Begriffen wie LSBTIAQ+ oder zum Umgang mit Pronomen und Namen informieren kann (siehe 3. Linkliste)

Wie wird dafür gesorgt, dass queere Kolleg*innen sich im Team sicher und unterstützt fühlen- was braucht es da noch?

Einrichtung

Werden queere Jugendliche im Einrichtungskonzept mitgedacht und wie erfolgt die Umsetzung im pädagogischen Alltag?

Wie queersensibel und einladend ist die Einrichtungskultur und die Räumlichkeiten?

Wie queersensibel ist die Sprache und das pädagogische Material (Bücher, Medien, Spiele etc.) in der Einrichtung?

Welche Bedarfe und Wünsche formulieren queere Besucher*innen?

Wie werden queere Jugendliche adressiert und eingeladen?

Träger

Welche Unterstützung stellt der Träger bereit, wo sollte dieser in die Verantwortung genommen werden, den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen?

Netzwerk

Welche Netzwerkpartner*innen gibt es im Bereich queere Jugendarbeit (wie z.B. Beratungsstellen und weiterführende Hilfen, politische Interessenvertretung, Fördergeber*innen)?

Wie können hier Ressourcen genutzt und geteilt werden?

An welche Stellen können die Kinder, Jugendlichen, Eltern, Fachkräfte sich wenden?

Gibt es ausreichend Informationsmaterial in der Einrichtung, das ausgehändigt werden kann?

Mädchenzukunftswerkstatt Teltow, Nadja Krüger